Wir sind die Roboter: Wie virtuelle Influencer in sozialen Netzwerken Werbung machen

Sie haben exotische Namen wie Lil Miquela oder Shudu Gram, haben Hunderttausende, teilweise über eine Millionen Follower in den sozialen Medien und werden als Kooperationspartner immer attraktiver: virtuelle Influencer, auch Virtual-Influencer genannt. Sie sehen täuschend echt aus, sind aber nicht real.

Es handelt sich um künstlich generierte Personen mit eigener Persönlichkeit und einem auffällig einzigartigen Aussehen. Sie posten regelmäßig Content und verdienen damit ihr Geld. Die erfolgreichste virtuelle Influencerin ist zurzeit Lil Miquela (@lil-miquela) mit ihren witzigen Sommersprossen und Zopf-Frisuren. Die 19-Jährige ist Halbbrasilianerin und hat drei Millionen Follower. Sie postet auf Instagram Fotos, Geschichten aus ihrem Leben und Werbespots. Mit wachsender Popularität erscheint sie aktuell auch in Modemagazinen und gibt Interviews.

Doch Miquela ist nicht echt. Jedes einzelne Bild wird am Computer generiert und sie verdient pro gesponserten Post um die 7.000 Euro. Oft ist nicht bekannt, wer hinter den Robo-Influencern steckt. Eins ist klar: Hinter den professionellen Profilen verbirgt sich viel Arbeit, neueste Technologien und hochprofessionelles Know-How. 

Lil Miquela wurde von dem Technologie Start-up Brud aus Los Angeles entwickelt. Das Unternehmen hat noch weitere virtuelle Influencer geschaffen, wie zum Beispiel eine Freundin von Lil, Bermuda (@bermudaisbae). Auch Bermuda ist wunderschön, schlank, hat keine Pickel und Cellulite oder sonstige menschliche Probleme.

Kritik an der ganzen Sache sind die falschen Idealbilder und der stets perfekte Look, der den Followern vermittelt wird. Gerade viele junge User realisieren gar nicht, dass es sich um künstliche Profile handelt. Die Entwickler erschaffen Schönheitsideale, die unrealistisch und unerreichbar sind. Dies beschreibt falsche Vorstellungen und Vorbilder und kann dazu führen, dass die Follower sich unter Druck gesetzt fühlen, um „perfekt“ sein und aussehen wollen.

Trotzdem ist Fakt: Hinter jeder virtuellen Persönlichkeit stehen Menschen, mal ein Individuum, mal ein Team. Robo-Influencer sind Kunstfiguren, die ausschließlich von Menschen kontrolliert werden, auch nicht anders als eine Disney-Prinzessin. Erst sieht man sie auf der Leinwand und dann, von trainierten Darstellerinnen gespielt, im Disneyland herumlaufen. Kein aktuell existierender virtueller Influencer kann eigenständig auftreten, posten oder Fragen beantworten. Und dennoch gewinnen virtuelle Influencer an Relevanz.

Seit der Erschaffung von den künstlichen Influencern stehen Marken Schlange, um sie als Botschafter zu gewinnen. Gründe, warum Unternehmen Robo-Influencer den menschlichen Influencern vorziehen ist die Kontrolle über die erstellten Posts und ihre Art und Weise der Präsentation. Außerdem können virtuelle Influencer keine ungewünschten Aktionen abziehen wie betrunken Auto fahren oder unangemessene politische Kommentare verbreiten. Zusätzlich ist die Zusammenarbeit mit den Robotern oft auch kostengünstiger als mit Prominenten.

Es heißt also abwarten, ob es nur ein langanhaltender Trend ist oder ob sich die virtuellen Influencer weiter etablieren können und Teil des Marketings werden.