Was Schweigen so alles mit sich bringt...

Das Objekt der Begierde des PR-Menschen sind die Medien. Gehen wir daher mal aus aktuellem Anlass nur kurz auf die mediale Metaebene: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Der aktuelle Anlass, bei dem dieses Zitat von Paul Watzlawick mir wieder in den Sinn kam, war die Entscheidung der Tagesschau, nicht über den Mord an der Studentin Maria L. durch einen unbegleiteten Flüchtling in Freiburg zu berichten. Dass diese Entscheidung im Kommunikationsmedium aller Kommunikationsmedien, dem Internet, höflich formuliert heftige Kommunikationen nach sich ziehen wird, hat wohl nur die Tagesschauredaktion überrascht. Deshalb sah sie sich gezwungen, ihr Schweigen in ihrem Blog nachträglich zu kommunizieren: „Wir berichten nur selten über einzelne Kriminalfälle.“ Und weiter: „Die Tagesschau berichtet über gesellschaftlich, national und international relevante Ereignisse“, wozu eben ein einzelner Mordfall nicht gehört. Interessanterweise war die Kommunikation damit nicht beendet, sondern nahm erst richtig Fahrt auf. Michael Hanfeld bewog diese Kommunikation des Schweigens wiederum dazu, in der FAZ über die Kommunikation des Schweigens zu kommunizieren: Die Tagesschau verkauft ihre Nichtberichterstattung „als Ausweis besonders sorgfältiger Nachrichtenauswahl.“ In Wirklichkeit aber, hätte sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk keine größere Blöße geben können. „Die ARD-Nachrichtenredaktion“, so Hanfeld weiter, „weiß nicht mehr, was relevant und was nicht relevant ist. Das hat Relevanz.“ Es wird hier schon nicht mehr das Schweigen kritisiert, sondern wir sind bereits auf der Metaebene angelangt: Die Begründung warum geschwiegen wurde, steht im Fokus der Kommunikation. Auch die Zeit widmete sich der Kommunikation des Schweigens der Tagesschau, ebenso wie der Merkur, die SZ, der Spiegel und die Welt, um nur einige zu nennen. Aber um nicht auf die Metaebene der Metaebene der Metaebene abzudriften, belassen wir es dabei.

Was hat also das Schweigen der Tagesschau mit sich gebracht: Kommunikation über Nicht-Kommunikation mit dem Ergebnis, dass die Tagesschau am Ende doch noch über den Fall berichtet hat.

Und was lernen wir als PR-Menschen daraus? Etwas sehr Banales, das nichtsdestotrotz den Kern aller PR-Arbeit offen legt: Schweigen kann niemals eine Kommunikationsstrategie sein! Auch und vor allem nicht in der Krisenkommunikation. Man kann eben nicht nicht kommunizieren.